Das „Karfreitagsabkommen“ wäre nie unterzeichnet worden, wenn die Verhandlungsführer nicht etwas Anständiges zum Essen bekommen hätten. Einer der damaligen Verhandlungsführer, Gerry Adams von Sinn Fein, hat ein Kochbuch mit den Gerichten zusammengestellt, die in den Jahren der Verhandlungen serviert wurden. Gemeinsam mit Starkoch Michael Dean kochen Verhandlungsführer beider Seiten einige der Gerichte, die sie während der Verhandlungen gegessen haben.

Die Zutaten für viele dieser Gerichte stammen oft von lokalen Bauern, die ihre Felder auf beiden Seiten einer heute unsichtbaren Grenze haben, die der Brexit aber vermutlich wieder sichtbar machen wird. Auch die Frage, welche Fischer nach dem Brexit in welchen Gewässern fischen dürfen, wird wahrscheinlich wieder umstritten sein. Aber egal, wer den Fisch fängt, das Einzige, was zählt, ist: „Der Fisch ist frisch.“ Das ist es, was Gerard Sands denkt. Er arbeitet als Koch in einem kleinen Restaurant in Belfast, das fast ausschließlich von Katholiken besucht wird. Gerard Sands ist der Sohn des ehemaligen Abgeordneten und IRA-Kämpfers Bobby Sands, der 1981 an den Folgen eines Hungerstreiks im Gefängnis starb. Das „Karfreitagsabkommen“ hat die gewaltsamen Auseinandersetzungen auf beiden Seiten weitgehend beendet. Aber die über Generationen gewachsenen sozialen Gräben sind immer noch vorhanden. Man bemerkt es sofort, wenn man Pubs auf beiden Seiten der Belfaster „Friedensmauern“ besucht. Auch wenn die „Friedensmauern“ heute für die Passage offen sind, wird es fast als Verrat angesehen, in eine Kneipe auf der anderen Seite zu gehen. Dagegen wollen die Koch-Aktivisten des Sozialunternehmens „Urban Community Chef“ etwas unternehmen. Ihr Motto ist: „Mit Kochen etwas bewirken“. Mit ihren gemeinschaftlichen Kochveranstaltungen wollen sie den Dialog zwischen beiden Seiten im Alltag stärken.

Wenn die Iren schon streiten wollen, dann bitte über die richtige Zubereitung von Irish Stew!